Die Geschichte dieser einzigartigen stolzen Andenken an die Militärzeit im Kaiserreich spiegelt das Lebensgefühl einer ganzen Epoche wieder.
Zwischen Kaiserstolz, Kameradschaft und dem Ende einer Welt. Im Westerwald, d. h. im Kannenbäckerland, wurden schon frühr Krüge aller Art aus Keramik als Steinerzeugnisse hergestellt. Es lag also nahe nun auch Krüge für die Reservisten zu fertigen.

Obwohl in den letzten 10 Jahren einige neue Bücher und etliche Fachaufsätze über alte Krüge, vornehmlich aber über Reservistenkrüge erschienen sind, möchte ich meine langjährigen Sammlerkenntnisse und Erfahrungen gerne an andere Sammler und Interessierte weitergeben. Gerade das Gebiet der Reservistenkrüge – mein Hauptsammelgebiet – soll hier zuerst ausführlicher beschrieben werden.

— Wolfgang Gult

Vom Kaiserreich zum Krug

Nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich 1870/71 wurde das Militär im neu proklamierten Kaiserreich von der Bevölkerung hoch geachtet. Wer seinen Militärdienst abgeleistet hatte, galt als ganzer Kerl – ein Qualitätsmerkmal, das noch vor handwerklichen Fähigkeiten gefragt wurde.

Alljährlich im Herbst wurden taugliche Rekruten ab 17 Jahren zu ihren Einheiten eingezogen, wo sie für drei Jahre dem Kaiser oder dem jeweiligen Landesherren dienten. Erst ab 1892 wurde die Dienstzeit für Infanterie und Artillerie auf zwei Jahre verkürzt; Kavallerie und Marine behielten die dreijährige Dienstzeit bei.

Die Geburt eines Sammelguts

Gegen Ende der 1880er Jahre kamen verschiedene Hersteller von Andenkenkrügen auf die Idee, spezielle Bierkrüge für ausscheidende Reservisten herzustellen – ein persönliches Erinnerungsstück an die Militärdienstzeit. Da jedes Jahr mehrere hunderttausend Reservisten entlassen wurden, entstand in kurzer Zeit eine enorme Nachfrage.

Die Namen der Hersteller – es gab über 100 – sind gelegentlich auf den Krügen und anderen Utensilien vermerkt. Die Blütezeit liegt zwischen 1890 und 1914, wobei auch frühere und spätere Daten nachweisbar sind.

Die Armee – Struktur und Standorte

Die Armee gliederte sich in die Garde-Regimenter, 21 preußische Armee-Korps, 3 Bayerische Armeekorps sowie die Kaiserliche Marine und die deutschen Auslandsbesitztümer. Die Großherzoglichen Badischen Einheiten waren unter den letzten beiden badischen Großherzögen Friedrich I. und (ab 1907) Friedrich II. im XIV. Armeekorps wie folgt zusammengefasst.

Infanterie & Artillerie

  • 9 Infanterie-Regimenter
  • 5 Feld-Artillerie-Regimenter
  • 1 Fuß-Artillerie-Regiment
  • 1 Jäger-Bataillon

Kavallerie & Spezialeinheiten

  • 3 Dragoner-Regimenter
  • 1 Jäger-zu-Pferd-Regiment
  • 1 Meldereiter-Kompanie
  • 1 Pionier-Bataillon

Technik & Versorgung

  • 1 Telegraphen-Bataillon
  • 1 Train-Bataillon
  • 1 Luftschiffer-Kompanie
  • 1 Flieger-Kompanie

Ausbildung & Verwaltung

  • 1 Unteroffizier-Vorschule
  • 1 Unteroffiziers-Schule
  • Bekleidungsamt Karlsruhe
  • Bezirkskommandos zur Musterung

Garnisonen im Badischen Ländle

Die Grenznähe zu Frankreich machte Baden und das angrenzende Elsass zu einem dicht belegte Garnisonsgürtel.

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